Gleiche Arbeit- Gleicher Lohn plus zehn Prozent: So sieht SPD die Zeitarbeitsentlohnung der Zukunft
Kaum stehen die Wahlen vor der Tür und schon lassen sich die
Politiker allerlei großartige Ideen einfallen, um auf sich aufmerksam zu machen
und Stimmen einzusammeln. Dabei werden Ideen vorgebracht, unabhängig davon, ob
sie realistisch sind oder überhaupt realisierbar. Hauptsache für Wählergruppen
populär. Bei diesen Vorschlägen kann einem noch mehr Angst um die Zukunft
unserer Wirtschaft werden, wenn solche Politiker tatsächlich noch mehr Macht
erhalten.
So auch der Ideen-Schmied SPD-Chef Siegmar Gabriel. Mit dem
brisanten Vorschlag schaltete er sich in die Erneuerungs-Debatte der Zeitarbeit
in Deutschland ein. Gabriel forderte für die 900 000 Leiharbeiter in
Deutschland neben der „Equal Pay“ Lösung
(gleiche Arbeit- gleicher Lohn) noch eins draufzusetzen. Nämlich 10% Zuschlag.
„Wir brauchen ein Gesetz, das gleichen Lohn für gleiche
Arbeit garantiert“, sagte Gabriel der „Welt Kompakt“. In Frankreich bekämen Zeitarbeiter
sogar zehn Prozent mehr, weil sie auf Sicherheit verzichteten. „Das ist eine
kluge Regelung“, betonte der SPD-Chef.
Es ist kein Geheimnis, dass bereits die Zeitarbeitsverbände
und die Gewerkschaften seit einiger Zeit über „Equal Pay“ in der Zeitarbeit
verhandeln. Diesbezüglich ist man sich noch nicht einig, ab welchem Zeitpunkt
in einem Betrieb der Zeitarbeiter den gleichen Lohn erhalten sollte, wie die
Stammbelegschaft.
Somit hat Gabriel auch Ver.di als
Dienstleistungsgewerkschaft, die ähnlich wie die SPD um Mitgliederschwund
jammert, auf seiner Seite. Ver.di lobte natürlich Gabriels Vorschlag als
„wichtiges Signal für die Auseinandersetzung in der Leiharbeit um Equal
Pay“. Ob beide um die Gunst der 900 000
Beschäftigten in der Zeitarbeit als Wähler oder auch als Mitglieder buhlen?
Thomas Bäumer vom Bundesverband der Personaldienstleister
(BAP) nannte diesen Vorschlag als absurd. Deutschland kann man mit dem System
in Frankreich in keiner Weise vergleichen. Gabriel vergleiche Äpfel mit Birnen.
Das französische Modell sei mit dem deutschen nicht vergleichbar, da in
Frankreich die Leute nur bezahlt werden, wenn sie tatsächlich angestellt und
produktiv sind. In Deutschland ist ein Zeitarbeitnehmer
sozialversicherungspflichtig angestellt,
wie in jedem anderen Unternehmen. Die Zeitarbeitsunternehmen tragen das
Arbeitgeberrisiko. Die Beschäftigten haben Rechte im Kündigungsschutz,
Lohnfortzahlung bei Krankheit und Urlaub.
Foto: © Schwarwel - Fotolia.com
Author: Jürgen Büsser - 05.01.2012 17:13